Ständig erreichbar sein war gestern. Lennart Schilgen meldet sich mit seinem dritten Programm zurück – und glänzt durch Abwesenheit. Wenn er nicht gerade Konzerte gibt und Kleinkunstpreise einheimst (Prix Pantheon, Stuttgarter Besen, u.v.m.) macht er vor allem nämlich eins: sich davon. Unter anderem geht’s auf Radtour, ins Kloster und ins kommunistische Sommercamp. Oder auch nur in die Untiefen seiner Gedanken, was oft abenteuerlich genug ist. Herauskommen Lieder über die Ab- und Umwege in der Welt und im eigenen Kopf. Voller Leichtigkeit und Witz, aber auch ohne Scheu davor, sich den dunklen Ecken zu widmen. So wird diesmal teils jahrelang unter den Teppich Gekehrtes hervorgekramt: Die alte PUR-Kassette. Die Grundschulzeugnisse. Die Sache mit der Nachtbushaltestelle. Zum Glück führt Schilgen sicher über jeden Abgrund – getragen von seinem versierten Klavier- und Gitarrenspiel, seiner Stimme und seinem „wachen Geist, mit Herz und Humor und hinterhältigen Pointen“ (Laudatio zur ‚Tuttlinger Krähe‘). Und wenn alle Stricke reißen, gibt’s ja immer noch die Gedichte: kleine, sprachliche Wundertüten, zu tiefst albern, in höchstem Maße kunstvoll. Die erst kürzlich erschienen „Gesammelten Werke“ sind, wenn damit hier kurz angegeben werden darf, in Lyrikband-Maßstäben bereits sowas wie ein Bestseller. Noch Fragen? Dann können Sie ihm gerne jederzeit eine Mail schreiben. Er antwortet halt nicht. Also: am besten einfach direkt zum Konzert kommen.
Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie
Bei diesem Programm wird alles besser: Noch schönere Lieder und aberwitzigere Dialoge, kritischere Themen und überraschendere Pointen! „110 Prozent!“, sagt Friedolin! „Na, klar!“, sagt Wiebke. Aber das mit den 110 Prozent gilt natürlich auch für die Kinder und die Meerschweinchen, die klimafreundliche Ernährung und die Kreidefarbe, mit der sie die Treppe streichen wollen. Außerdem sind die Tage bis KW 48 im Grunde schon durchgeplant und nicht zu vergessen: Achtsamkeit und Selbstliebe. Ist das überhaupt zu schaffen? Nein, aber genau deswegen versuchen sie es. Wenn dieses Duo die Bühne betritt, dann immer mit dem hohen Anspruch, es glorreich zu versieben. Betonung auf glorreich! Und damit sind sie nicht allein. Glanzvolles Scheitern ist ja der evolutionäre Signature-Move des Menschen. Wir sind so gut in allem, dass wir dabei aus Versehen unseren Heimatplaneten kaputt gemacht haben. Ups. Mit ihrer eigenen Mischung aus kabarettistischem Schlagabtausch, Witz, Sprachakrobatik, Improvisation und Musik, schaffen Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie erneut das Gesamtkleinkunstwerk, mit dem sie sich einen Namen gemacht haben. Und zwar einen ziemlich langen. Wer die Zwei noch nie live erlebt hat, sie nicht aus Die Anstalt oder ihrer SWR3-Comedy kennt, bekommt jetzt die Chance, es nicht schon wieder zu versieben!
Matthias Ningel
In seinem fünften Soloprogramm geht es Ningel um das große Ganze: Um Harmonie. Nicht nur um die musikalische Harmonie, sondern auch um die Harmonie in der Gesellschaft. Schon die alten Griechen hatten einen verwegenen Gedanken: Musikalische Harmonie und kosmische Harmonie basieren auf der gleichen Ordnung. Ningel führt diesen Gedanken fort und fragt sich, wie es um die Harmonie der Gegenwart steht. Warum fühlen sich die heutigen Zeiten so aus dem Takt geraten an? Ist der Puls der Zeit nicht vielmehr ein Kammerflimmern? Und warum können diese ganzen Menschenfeinde weder singen noch tanzen? Ob schmerzhafte Nierenkoliken, versteckte Tragödien unterm eigenen Laminatboden oder die Omnipräsenz von Bildschirmen im öffentlichen Raum: Mit Gesang, Klavier, Synthesizer und diversen Kleininstrumenten überträgt er gesellschaftliche Phänomene in Musik. Trotz vielfacher Auszeichnungen mit Kleinkunstpreisen weiß Matthias Ningel leider auch nicht wie man die Welt in Ordnung bringt. Aber als promovierter Musiker und Kabarettist versucht er das Chaos zu ordnen bis ein stimmiges Ganzes heraustritt. Er entlockt den Dingen ihre Musikalität, macht aus Wörtern Drumgrooves und schafft es sogar, die kreischende Spargelschälmaschine zum Soloinstrument im Weltenorchester zu machen. Harmonie ist universelles Musikkabarett für alle Generationen und eine Liebeserklärung an die Musik. Diese Veranstaltung ist Teil unserer ABO-Reihe.